Moderne Lagertechnik für das nächste Milenium.

HOECHST REALISIERT EIN AUTOMATISCHES FÖRDER- UND LAGERSYSTEM FÜR DAS NEUE PRODUKTIONSWERK IN SUZANO.

Das weltweit operierende Pharma-Unternehmen Hoechst Marion Roussel, verstärkt ihre Produktionskapazität in Brasilien. Das neue Werk in Suzano/Sao Paulo, welches im Herbst 99 dem Betrieb übergeben wird, wurde hinsichtlich Produktionsabläufe und der innerbetrieblichen Logistik nach modernsten Gesichtspunkten konzipiert.
Den am Gesamtprojekt involvierten Teams und Unternehmen ist es gelungen, in der für ihre Innovation bekannten Pharmaindustrie, ein richtungsweisendes Musterbeispiel eines modernen und den höchsten Ansprüchen rechnungtragenden Produktionswerkes zu planen.

Das automatische Förder- und Lagersystem

Das zentrale Bindeglied zwischen den Bereichen Wareneingang, Produktion und Versand, ist das automatische Förder- und Lagersystem, welches die einzelnen Prozesse zur richtigen Zeit mit den richtigen Materialien versorgt.
Das Förder- und Lagersystem umfasst im wesentlichen folgende Bereiche : Zentraler Wareneingang für Roh- und Packmaterialien; Musterzug, getrennt nach Roh- und Packmaterial; Hochregallager (Höhe 26 m) für die Lagerung von rund 10’000 Paletten mit Roh- und Packmaterial sowie von Fertigprodukten; Kommissionierbereich für die Produktion (Dispensing) und für die Verpackerei; und Warenausgang.
Die Planung
Grundsätzlich galt auch bei der Planung, dass die drei klassischen Bedingungen, nämlich die technische Machbarkeit, die Einhaltung der gesetzlichen und betrieblichen Vorschriften sowie die nachweisbare Wirtschaftlichkeit, erfüllt sein müssen.
Zunehmend drängt sich aber eine weitere Grösse - die Systemflexibilität - in den Vorder-grund.

Das von "aussen" an ein System vorgegebene, aktuelle Anforderungsprofil kann sich im Verlaufe der Zeit markant verändern. Speziell im heutigen, sich rasant verändernden wirtschaftlichen Umfeld werden immer höhere Anforderungen hinsichtlich Lieferbereitschaft, Flexibilität und Qualität gestellt. Lösungskonzepte, welche auf den aktuellen Bedarf zuge-schnitten sind, gleichzeitig aber über Erweiterungspotential und eine grosse Systemflexibilität verfügen, sind das zentrale Thema und bleiben somit nicht ohne Einfluss auf die Planung von Logistiksystemen.
Interdisziplinäres und vorausschauendes Arbeiten im Expertenteam wird in besonderem Masse gefragt. Zurückblickend auf die Planungsphase bei Hoechst Marion Roussel, darf festgestellt werden, dass dies in besonders gutem Masse gelungen ist. Die grosse Betriebserfahrung des Hoechst Marion Roussel-Teams, zusammengesetzt aus Planungsexperten aus der Zentrale in Frankfurt und aus dem Werk in São Paulo, sowie die fachspezifische Erfahrung des Architektur- und Produktionsplanungsunternehmens und von Stöcklin als Systemlieferant, haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Planungsziele erreicht werden konnten.
Es sind dies: strukturierte und dynamische Abläufe und Warenflüsse; Abdeckung der Spitzenleistungen, mit der Möglichkeit allfällige Leistungssteigerungen stufenweise zu installieren; Entwicklung eines Layouts mit grossem Flexibilitätspotential, welcher funktional erweitert werden kann; dies ohne grössere Betriebsunterbrüche; Einhaltung aller für den Pharmabetrieb geforderten Reinlichkeitsanforderungen (GMP); Informationstechnische Integration auf höchstem Sicherheitsniveau; Einhaltung der geforderten Bedingungen im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsrechnung
Das Logistikkonzept
Das Resultat aus der gemeinsam durchgeführten Planung ist ein Förder- und
Lagersystem, welches die verschiedenen Bereiche im klassischen vertikalen

Die informationstechnische Integration
Als zentrales Element zwischen der übergeordneten EDV (Host System mit SAP/R3) und den Anlagesteuerungen für die Regalbediengeräte und die verschiedenen Transport-anlagenbereiche, übernimmt das Lagerverwaltungssystem LAKOS folgende Hauptaufgaben :
* Steuerung und Koordination sämtlicher physischen Materialflüsse innerhalb des automatischen Förder- und Lagersystems. Wobei Transportrouten je nach Anlage-belegung einzelner Teilbereiche optimiert und festgelegt werden.
* Lagerverwaltung auf Artikelniveau. Während das über-geordnete EDV- System lediglich die Gesamtmengen einzelner Artikel und Lose kennt, werden der genaue Lagerort resp. der Standort auf der Transportanlage, Mengen pro Los und damit auch sämtliche weiteren Artikeldaten auf dem Lagerverwaltungssystem geführt und auch verwaltet.
* Erfassung aller Wareneingänge auf Artikelniveau. Die einzelnen Operationen wie Um-palettierung, Musterzug, Quarantäneverwaltung werden ebenfalls vom Lagerverwal-tungssystem unterstützt.
* Aufbereitung des vom Produktionssteuerungssystem der übergeordneten EDV übermittelten Bedarfs für einzelne Produktionslose. Die EDV übermittelt wiederum nur den jeweiligen Gesamtbedarf, während das Lagerverwaltungssystem für die Bereitstellung der einzelnen Artikel verantwortlich ist.
Die einzelnen Artikelmengen pro Auftrag werden vom Lagerverwaltungssystem nach verschiedenen Kriterien aufbereitet : Produktionslos; Verfalldatum; Verfügbare Menge auf entsprechenden Ladungsträgern, etc.
* Aufzeichnung, Aufbereitung und Archivierung sämtlicher Artikelbewegungen
* Touren und zeitgerechte Aufbereitung der einzelnen Warenausgänge
* Verwaltung weiterer Lagerbereiche wie : Anbruchlager im Dispensing; Label- und Beipackzettellager; Sonderlager für die mit Qualitätsmängel; behafteten Materialien
Das Lagerverwaltungssystem LAKOS zeichnet sich unter anderem durch folgende Merkmale aus: Benutzerfreundlichkeit; Hoher Standardisierungsgrad und trotzdem grosse Flexibilität für kundenspezifische Applikationen; kürzeste Inbetriebnahmezeiten
Eine besondere Herausforderung stellte auch die Zertifizierung der Schnittstelle zu SAP dar. Damit wird gewährleistet, dass auch für diesen sensiblen Bereich die Validierungskriterien vollumfänglich erfüllt werden.
Auf der Zielgeraden
Mit der Umsetzung des beschrieben Planungskonzeptes wurden alle wesentlichen, dem Projekt zu Grunde liegenden Zielsetzungen einbezogen. Dies gilt sowohl für die angestrebten Systemleistungen und Volumenkriterien, als auch für die informationstechnische Integration und die konsequente Umsetzung aller GMP resp. Validierungskriterien.
Die konzipierte Lösung zeichnet sich auch insbesondere durch ihre grosse Systemflexibilität und einem signifikanten Erweiterungspotential aus. Der ursprünglich definierte Budget-rahmen und die damit verbunden Rentabilitätsüberlegungen werden nicht nur eingehalten, sondern auch noch weiter optimiert.
Der Anlagebetreiber als Partner
Mit welchem Erfolg ein gesamtheitliche Integration der Abläufe und Funktionen erfolgt und wie gut das übergeordnete Ziel der angestrebten Rentabilität erreicht wird, hängt neben der Erfahrung des Lieferanten auch in starkem Masse vom „Input“ des Betreibers ab.
Auch bei der Planung und Realisierung von Neuanlagen auf der „grünen Wiese“ gilt :
Die hundertprozentige Lösung wird es nie geben, da praktisch jedes Projekt sowohl technischen als auch finanziellen Einschränkungen unterworfen ist. Eine optimale Lösung ist jedoch immer möglich. Sie setzt aber voraus, dass von allem Anfang an die betriebs-spezifischen Erfahrungen und klaren Zielformulierungen des Betreibers als auch die fachliche Erfahrung des Lieferanten als Basis für das zu entwerfende Konzept und in die Ablaufplanung mit einfliessen.
Nur derjenige Lieferant, der auf den Betreiber eingeht und die Anforderungen und Bedürfnisse in ihrer Gesamtheit versteht, wird eine Lösung anbieten können, welche bis ins Detail auf den Betrieb abgestimmt ist.
Eine starke Partnerschaft zwischen Betreiber und Lieferant ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg.

Systemdaten :
Lagerhöhe 26 m
Lagerlänge 90 m
Anzahl Lagergassen 4
Anzahl Regalbediengeräte 4
Lagerkapazität ca. 10’000 Paletten
Paletten abmessung 1’000 x 1’200 mm
Ladegewicht 1’000 kg
Anzahl Förderebenen 3
Einlagerung (Einzelspiel) 48 Pal./ Std.
Ein- resp. Auslagerung (Doppelspiel) 30 Pal./ Std.
Anlagesteuerung (SPS) Simatic S7
Lagerverwaltung Alpha Dec Server
Betriebssystem Unix
Stahlbau (freistehend) Aguia

Magazine : Movimentação & Armazenagem - jul/ago 1999